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- 24. APRIL 2010, "Radio Swiss Classic", Text: Silvia
Rietz
"Die Schweizerin Rachel Kolly d’Alba - Kompromisslose
Geigerin mit beseeltem Spiel"
Mit fünf Jahren bekam sie ersten Geigenunterricht, mit zwölf trat
sie öffentlich auf und mit sechzehn gewann sie den Paderewski
Preis. Die Schweizerin Rachel Kolly d’Alba gehört unter den
jungen Geigerinnen Europas zu den begabtesten ihrer Generation.
Eben ist ihre von Warner Classics produzierte CD "Passion Ysaÿe"
auf den Markt gekommen. Eine weitere mit dem Bieler Sinfonie
Orchester und Saint-Saëns drittem Violinkonzert unter der Leitung
von Jean-Jacques Kantorow ist am Entstehen. Dabei träumt die schöne
Geigerin nicht von Glamour und Ruhm. Rachel Kolly d’Alba will
Seelen berühren und mit dem Publikum die Leidenschaft für Musik
teilen.
(Quelle: www.racheldalba.com)
Kleine Mädchen sehnen sich nach Puppen. Die zweijährige Rachel
wünschte sich eine Violine. "Ich wollte unbedingt eine Geige haben.
Im Gegensatz zu anderen Instrumenten gibt es ja kleine
Kindergeigen." Heute spielt die junge Frau auf einer Vuillaume der
Swiss Global Artistic Fondation - und brilliert in grossen
Konzertsälen.
Die Tochter eines Journalisten wurde von den Eltern früh mit in
Konzerte genommen und zwei ältere Schwestern spielten ein bisschen
Klavier. Sonst hatte die Familie wenig mit Musik zu tun. Der
Leidensweg eines dressierten Wunderkindes blieb Rachel erspart. Sie
erlebte eine unbeschwerte Kindheit. Rachel Kolly d’Alba: "Mit
fünf Jahren bekam ich ersten Unterricht. Aber nicht weil meine
Eltern eine Karriere für mich vorsahen, sondern weil ich unbändige
Freude mit der Geige hatte. Für mich war immer klar, ich werde
Geigerin. Zum Glück brachten mir meine Eltern genügend Vertrauen
entgegen und gestanden mir viel Freiraum zu, so dass ich schon früh
auf das Konservatorium wechseln konnte." Rachel musste nicht zum
Üben angehalten werden. Dafür tauchten andere Schwierigkeiten auf:
"Die Schule fasste ich eher als Hobby auf, Priorität genoss die
Geige." Mit fünfzehn bestand sie das Lehrdiplom und setzte ihr
Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Bern in der
Meisterklasse von Igor Ozim bis zum Solistendiplom fort. Obschon
diese Geigerin alles im Eiltempo erreichte, gab es keinen
eigentlichen Durchbruch. Vielmehr entwickelte sich die
internationale Karriere kontinuierlich, sieht man von den
unzähligen Preisen und Auszeichnungen ab, die sie seit frühester
Jugend sammelt. In die obere Geigenliga hat sie sich nicht mit den
Reissern des Repertoires gespielt, sondern mit genau durchdachten
Programmen und viel Zeitgenössischem. "Meine Affinität liegt bei
der französischen Musik anfangs 20. Jahrhundert. Diese Musik ist
meine ureigenste Domäne."
Chance mit Warner Classics
Natürlich liebt sie Bach und Mozart. Doch Populäres aus Barock und
Klassik möchte sie nicht unbedingt auf Tonträger einspielen. "Ich
liebe impressionistische Klangfarben. Am liebsten würde ich ein
Geigenkonzert von Debussy spielen", scherzt sie. Das dritte von
Camille Saint-Saëns probt sie gegenwärtig mit dem Sinfonie
Orchester Biel unter der Leitung von Jean-Jacques Kantorow. Dazu
spielt sie Werke ihres Favoriten Eugène Ysaÿe. Von der wunderbaren
Atmosphäre schwärmt sie in den höchsten Tönen: "Da sind ein paar
Glücksfälle zusammen gekommen. Zum einen habe ich bei Maître
Kantorow in Paris studiert. Wir sind uns menschlich und musikalisch
sehr nahe. Er versteht es, das Beste aus einem Orchester
herauszuholen. Das grösste Geschenk ist jedoch die Zeit, die uns
zum Proben zur Verfügung steht. Luxus pur." Die Bieler sind sich
offensichtlich der Chance bewusst, mit einer Künstlerin des Labels
Warner Classics zusammenzuarbeiten. Rachel Kolly d’Alba
schätzt, dass nicht nach üblichen Bedingungen produziert werde, wo
oftmals der Solist eingeflogen und nach ein bis zwei Proben gleich
das Livekonzert mitgeschnitten werde. "Wir haben Musse an Details
zu feilen. Diese Stücke sind sehr subtil und benötigen Feinarbeit",
kommentiert die Geigerin. Eben ist ihre erste bei Warner Classics
aufgenommene CD "Passion Ysaÿe" herausgekommen, die sie auf einer
Stradivari einspielte. Die Sonaten des belgischen Virtuosen, die
mit Brillanz und hohem Schwierigkeitsgrad aufwarten, begleiten sie
schon seit Jahren. Die Interpretation ist mit der Künstlerin
gereift. "Seit ich Ysaÿes Enkel getroffen habe, empfinde ich die
Historie noch tiefer und das Gefühl, total in diese wunderbare
Musik einzutauchen", sinniert sie. Klangwelten ohne Grenzen
berauschen und faszinieren Rachel Kolly d’Alba. Bei der Wahl
der Stücke schielt sie nicht auf den kommerziellen Aspekt, sondern
will das Repertoire pflegen und spielen, dass ihr liegt und dass
sie liebt. Diese Haltung spiegelt auch das Programm der für 2011
geplanten CD mit Werken amerikanischer Komponisten zum Thema Liebe.
Mit dem Orchestre National des Pays de la Loire wird sie unter John
Axelrod Bernsteins Serenade (after Plato's Symposium), die Fantasy
aus "Porgy and Bess" und Waxmanns "Carmen Fantasy" aufnehmen.
Junges Mutterglück
Seit vier Jahren gehört ihr Herz nicht mehr allein der Geige. Ihre
Tochter begleitet Mama auf Schritt und Tritt. "Sogar an ein
Fotoshooting habe ich die Kleine mitgenommen", schmunzelt sie. "Nie
habe ich die frühe Mutterschaft als Karrierehindernis erlebt. Im
Gegenteil: Seit der Geburt meiner Tochter bin ich viel mehr geerdet
und in der Balance." Rachel Kolly d’Alba entschied sich so
bewusst für ihr Kind, wie für alle Meilensteine des Lebens.
Die Frau, die neben Geige auch Orchestration und Komposition
studierte, steht nicht nur im Aufnahmestudio oder auf dem
Konzertpodium, sie veranstaltet auch eine Konzertreihe in Montreux.
Rachel Kolly d’Alba ist künstlerische Leiterin der Riviera
Concerts. "Montreux ist eine wunderbare Stadt, die mit dem
Jazz-Festival aus jeder Pore Kultur atmet. Nur eine klassische
Reihe fehlte noch. Nun organisieren wir in einem akustisch tollen
und optisch wunderschönen Jugendstilsaal unsere Konzerte." Die
spontane Kommunikatorin wirkt nicht allein als Organisatorin und
reproduzierende Künstlerin, sondern sucht den direkten Kontakt zum
Publikum. Sie moderiert die Konzerte mit viel Charme und Wissen.
Süchtig nach Musik, muss sie nicht unbedingt selber auf der Bühne
stehen. Sie ist auch als Konzertbesucherin glücklich.
Musik vermitteln
Für Rachel Kolly d’Alba steht die Musik an sich an erster
Stelle. Träume von Weltkarriere, Luxus und Reichtum sind
zweitrangig. Um des schnellen Erfolges willen würde sie weder in
nassen T-Shirts posieren noch sich für Lifestylemagazine räkeln,
auch wenn solcherart Covers und Titelgeschichten sich gut
vermarkten lassen. Mit Modelmassen und Schönheit gesegnet, könnte
sie zwar problemlos mithalten, doch entspräche dies nicht ihrer
Welt. "Ich will mich nicht als Beauty oder Produkt verkaufen,
sondern Musik vermitteln." Ihr ist es wichtig, ihre Leidenschaft
mit anderen Menschen teilen zu dürfen. Die Quintessenz ihres Credos
lautet: "Mich ständig weiterentwickeln, das Repertoire immer tiefer
ausloten und mit der Musik Seelen berühren." Die Leute sollen nicht
in die Konzerte kommen, um Rachel Kolly d’Alba anzusehen,
sondern um ihr zuzuhören und sich von ihrem Geigenspiel in andere
Sphären tragen zu lassen.
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